T E S T S i n d e r Übersicht

27. Juli 2010

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♣ D E R   W A H N S I N N ♣

Marmite mit Alfons

im Kolpingshaus St. Erhard in Regensburg

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♦ tanzende tischmäuserl ♦

Ein Samstagmittag im August mit 14 Grad ist ein schlechter Witz. Wer schon einmal im mustergültigen Wald-Biergarten der Wirtefamilie Daxl gesessen saß, der könnte heulen.
Die Trumpfkarte sticht also nicht.
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♥ seitel und seine crew im zenith ♥

Premiere. Das war mir noch nie passiert, dass mir ein hübsches Mädchen, wirklich so, die Speisekarte bringt und ich bin platt. Nicht wegen des Mädchens – langsam verdampft bei diesem Sommer sogar mein Senilosex – nein, ich habe so eine Karte noch nie gesehen.
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↓ mehl machts ↓

Ein August-Freitag-Abend wie im Bilderbuch.
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♥ spielart von glück ♥

Hofgut Hafnerleiten, Alliteration, Klangfigur, die am Gaumen schmilzt.
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↓ es war einmal ↓

Nach einer selbstauferlegten Abstinenz von Lisa Hartl-Schmuckers Cafe Restaurant, geschäftliche Enttäuschung, die nichts mit Tellern zu tun hat, habe ich es fast nicht mehr ausgehalten: Ein Lisa-Käsekuchen muss her, auch wenn es mich viel Überwindung kostet, über den eigenen Schatten zu springen.
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↓ falsche fuchzger ↓

Der singende Wirt Meier, SinSangXare, von mir so getauft, vom Wirtsstadl in Asenham bei Bad Birnbach, spielte falsch mehr →

♦ zwei junge wilde ♦

der eine mehr, der Niko, der andere weniger, der Peter.
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↓ eingelocht ↓

Nicht selten haben meine Restauranttests beinahe heitere, valentineske Züge, wäre da nicht am Ende ein recht fahler Beigeschmack. So geschehen in kaum zu glaubender Art und Weise in der »Kantine«, genannt Golfstüberl, des Golfclubs von Reichertshausen, kurz genannt GCR.
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♣ fischers fritz heißt robert ♣

Wie es sich für einen handfesten Fluss gehört, stehen an seinen Gestaden meist urige Wirtschaften, damit die Freizeitkapitäne nicht verhungern oder gar verdursten müssen. Passau hat zwei, eine vor und eine nach der Bilderbuchdreiflüssestadt, beide an der kräftigen Donau.
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♣ trappatoni der holledau ♣

Er heißt zwar nicht Toni, sondern Bernd.
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A c h t u n g !

Nach 10 »Schlagzeilen« beende ich die Einträge, sonst würde die Seite zu unübersichtlich. Es folgen nur mehr »Überschriften« mit Links:

♣ bank  rot(t) ♣
♣ christina l-t in heißer hochform ♣
♥ djerba la douce ♥
♥ herr über 5000 kinder ♥
↓ a (never) ending story ↓
♦ uriger geheimtipp ♦
↓ Stetter – Riggerding ↓
♣ nix wie hin ♣
♣ panem et circenses ♣
♣ nix wie hin ♣
♦ prae cinema ♦
♣ uns geht’s net noß nei ♣
♦ nicht am ufer des ganges ♦
♥ für pfadfinder mit sattel und flossen ♥
♦ eisfisch ade ♦
♥ marmite zu lieben ist allzeit mein sinn ♥
♦ Frühling pur ♦
♣ Alle guten Dinge sind drei ♣
♣ Sä draun ärna wos ♣
♥ Der Förster vom Silberwald nah am Kochelsee ♥
♣ gönn dir eine neue, oder laß’ die alte liften ♣
♦ wenn wally net war ♦
♥ wer reitet so spät durch nacht und durch wind? ♥
♦ altes neu am fluß ♦
♣ wunderkinder an töpfen und pfannen ♣
♥ der ball ist rund – und das essen saugut ♥
♥ nachtarock fast unterm christbaum ♥
↓ Wiederbesucht ↓
Welten liegen dazwischen: ↓ Sterzing ↓ und  ♣ Vellau

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Höhenhof zum Schützenwirt in Obertraubling/Oberhinkofen

30. August 2010

tanzende tischmäuserl ♦

Ein Samstagmittag im August mit 14 Grad ist ein eiskalt schlechter Witz. Wer schon einmal im mustergültigen Wald-Biergarten der Wirtefamilie Daxl gesessen saß, der könnte heulen. Das übernehmen perfekt grauschwarze Wolken.
Die Trumpfkarte sticht also nicht.
Doch das Drinnen im modernen Wellblechbau der Gauschützen, fast noch jungfräulich, überrascht sehr positiv: nichts wolpertingert, Holz heimelt, Service lächelt echt.
Die Geburtstagsfeier am Nebentisch delektiert sich gerade an zehn verschiedenen Kuchen. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.
Die zweite Trumpfkarte sticht auch nicht, denn Wirt und Küchenchef Thomas Daxl catert. Ist eine neue Wortschöpfung für catering. Er steht also nicht am Herd.

Wie ein Lemming bestelle ich Getrüffelte Tomatensuppe mit Parmesan und Brotchip, 2,90 €. Das depperte Trüffelöl darf nicht in die Suppe, bitte ich. Kein Problem.
Dem Hausherrn aber etwas ausreden wollen, ist ebenso deppert, wie das üble Öl in der sonst hervorragenden, feinsäuerlichen Suppe. Wäre die sehr witzige Alternative zu Croûtons, der köstlich knackige Brotchip, nicht auf Tauchstation gegangen und aufgeweicht, hätte ich, nur für die trüffelfreie Version, ein Halleluja ausgesprochen.

Das bekommt dafür der knackige, oberpfälzisch deutlich süß gedresste Beilagensalat zum Zwiebelrostbraten mit Speckbratkartoffeln, gerösteten Zwiebeln, im Opaformat für 8,10 € (!). Wenn er auch nicht gerade an Varietät überquillt, der Vitaminspender, er schmeckt köstlich. Was ich von den Fritteusezwiebeln nicht behaupten will, weil ich den Klassiker mit gedünsteten, mein Favorit, oder Pfannenzwiebeln kenne. Da liegen Welten dazwischen. Auch das Fleisch, auf den gewünschten Punkt zubereitet, optisch perfekt, kommt nicht ungeschoren weg, weil eine Hälfte so zäh ist, dass ich bierdeckeldünne Scheibchen heruntersäbeln muss – für etwas Genuß. Die andere Hälfte war perfekt. Da komme ich nicht mit?
Überrascht hat mich, knapp am Verärgert, weil das Hauptessen nur lauwarm im kalten Teller auf den Tisch kam. Etwas von der Mikrowellenhitze der Tomatensuppe hätte ihm wahrlich gut getan. Fällt bei mir überall unter mangelnde Küchensorgfalt, auch hier.

Wie sagt der Volksmund so treffend: Wenn die Katz’ aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse …

Bewertung

Zum Birnthaler in Krachenhausen/Kallmünz

23. August 2010

↓ mehl machts ↓

Ein August-Freitag-Abend wie im Bilderbuch.

Das fanden nicht nur wir, sondern viele andere auch. Auf der Beinaheflussuferterrasse war kein Platz mehr frei. Wir warteten geduldig, benutzten die Zwangspause, um Gäste zu beobachten.

Leere Teller, rote Wangen. Kein Wunder, wenn der Laden brummt.

»Der Tisch da hinten zahlt« half die flinke Bedienung.

Das Angebot ist nicht kleinlich, die Preise moderat, obwohl die Oberpfalz noch preiswertere Gaststätten aufweisen kann.

Paradebeispiel ist die Steinpilzsuppe für 2,90 €. Toll, oder? Wenig Pilz, viel Mehl und noch viel mehr hässliche Haut. Selbst 2 Euro wären aus unserer Sicht noch eine Überzahlung. Hat der Kochmützenträger, so er eine auf hat, keine Ahnung, wie man bindet, wenn die Speise ins Freie marschiert? Oder ist es ihm egal?

Ich tendiere zu Letzterem, denn die Tomaten beim Beilagensalat haben auch eine runzelige Haut. Was aber nicht vom Mehl kommt, sondern vom Alter. Die Küche hat die Salate wahrscheinlich vor »Jahren« hergerichtet, als sie im Internet den Wetterbericht gelesen hatte. Flapsig formuliert.

Humor brauchten wir, viel Humor, denn der hausgemachte Fleischstrudel auf Blattsalat, 6,40 €, wäre ohne Ketchuptuning nicht an den Mandeln vorbeigekommen.

Meine zwei Scheiben Schweinehals, den immer die Holzfäller essen, waren in Ordnung, während die lieblosen Bratkartoffel, bis auf den Kümmel, der Oberpfalz, dem Kartoffelland schlechthin, nicht würdig waren. Speisekartentext: »Holzfällersteak« (Schweinehalssteak) nach Art des Hauses mit Bratkartoffel, Kräuterbutter (eine mickrig dünne Scheibe) und Salat 7,90 €.

Bernds Schweinefilet im Pfandl auf Steinpilzsoße, Spätzle und Pariser Karotten, dazu Salat, 13,40 €, hatte auch reichlich Mehl und damit widerliche Haut, abbekommen. Im Gegenzug sparte Wirt Alfred Birnthaler, ich glaube, der kocht, am »billigen« Schweinefleisch. Ich half meinem Sohn mit meiner zweiten Halsgratscheibe aus der Hungerpatsche. Der Preis für die Pfanne, sie soll Deftigkeit symbolisieren, war mir zu heftig, dafür möchte ich besseres Gemüse, auf irreführende Namen verzichte ich gerne, und brauche keine Eisenunterlage. Nachhilfeunterricht für die Birnthaler: Pariser Karotten sind klein und kugelig. Noch eine Berichtigung: Sie haben keinen Biergarten, sondern eine Hausterrasse. Nachzulesen über die Biergartendefinition der bayerischen Regierung (Holz vor der Hüttn + mitgebrachte Brotzeiten dürfen verzehrt werden???).

Wir reklamierten natürlich – ohne jegliche Resonanz. Die Bedienung: »Der Chef war nicht in der Küche.« Aber es gibt ein Foto der widerlichen Tomate …

Warum dann so viele Gäste? Dazu wollen wir uns lieber nicht äußern!   

Machen wir es kurz: Der Birnthaler ist vorzüglich geeignet, um aus der Haut zu fahren. Er kocht in unserem nächsten Buch in den »Enttäuschungen«.

Bewertung

Am Schloßberg in Regenstauf

11. August 2010

↓ es war einmal ↓

Nach einer selbstauferlegten Abstinenz von Lisa Hartl-Schmuckers Cafe Restaurant, geschäftliche Enttäuschung, die nichts mit Tellern zu tun hat, habe ich es fast nicht mehr ausgehalten: Ein Lisa-Käsekuchen muss her, auch wenn es mich viel Überwindung kosten sollte, über den eigenen Schatten zu springen.

Wir sind dann zusammen gessprungen, mein Sohn mit Frau Tati, die da oben ihre Hochzeit gefeiert haben. Schatten brauchten wir auch, denn es war ein dampfig heißer Augustmittag.

Alle drei bekamen den gewünschen Beilagensalat vorneweg. Lobenswert wegen: verschiedenartig; mit einer köstlichen Salatsoße, richtiggehend knackig.
Dann kamen die Rigatoni in Gorgonzolasauce mit gerösteten Walnüssen 9,80 €, das war am 17.07.2009 auch schon auf der Karte. Na und? Heute stocherte Tati in den Paste herum, wenig begeistert. Mich ärgerte die offen zu Tage getretene, mangelnde Küchensorgfalt, denn die Walnüsse ware einfach auf den Teller geworfen, nix geröstet. Wenn sie schon Romane in die Karte schreiben, dann sollen sie sich auch daran halten. Wir haben reklamiert, ohne einen Hauch von Entschuldigung. So kann man einm Gast auch sagen: Du bist mir wurscht! Anlächeln und in Wirklichkeit dir am liebsten in den Hintern treten – da steh’ ich drauf!

Mein Zitronenbackhendl mit hausgemachtem Kartoffelsalat 8,90 € hätte eigentlich perfekt sein müssen, denn auch das stand vor einem Jahr schon auf der Karte.
Wo ist denn die angepriesene Lust auf neue Kreationen? Die Tagesschiefertafel! Na ja.
Dafür war das Huhn zäh, falsch gegrillt, die Panade fertig und der Kartoffelsalat eine matte Sache, geschmacklich arg nahe am »Eimergusto«. Ich empfehle den Schlossdamen den Fuchswirt in Allershausen, zum Lernen.
Ich habe bestenfalls die Hälfte vom Huhn gegessen. Gut war die Zitronensoße, wiewohl ein guter, getunter Ketchup sicher mehr gebracht hätte.

Bernd hatte noch mehr Pech. Mit seiner Schweinerei: Schnitzel gefüllt mit Tomate, Mozarella und Basilikum, dazu Bratkartoffeln und ein kleiner Salat 12,90 €. Er wollte nach einem Viertel Fleisch nicht mehr. Er ließ mich probieren, ich wollte nch dem ersten Bissen nicht mehr. Kam mir vor, wie Krankenkost. Die Kartoffelbeilage passte vorzüglich in dieses Bild. Blass in Farbe und Geschmack.

Doch dann ging die Sonne auf: Käsekuchen und Mohnkuchen. Hervorragend. Ich habe 2, i. W. zwei also, gegessen. Hätte ich das depperte Huhn, jedes Wiener Backhendel dreht sich bei seinem Anblick im Grabe um, links liegen gelassen und drei Kuchen verspeist, wäre ich bestimmt nicht enttäuscht den Berg hinunter zum Auto gestolpert.

Damit ist unsere Lisa-Euphorie von Band 4 endgültig den Regen hinuntergeschwommen, obwohl die Sonne schien.

Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als mich auf die Socken zu machen,

Kuchen zu suchen!

Bewertung ohne Kuchen

Hofgut Hafnerleiten in Bad Birnbach

10. August 2010

♥ spielart von glück ♥

Hofgut Hafnerleiten, Alliteration, Klangfigur, die am Gaumen schmilzt.
Ein Name, der Seinesgleichen sucht.
Ein Haus aus ungewöhnlichen Häusern.
Ein Garten, in dem Seelen rumhängen, ausruhen.
Ein Weib als Wirtin, ein Gastgeber, der in keine Schublade passt.

Ich fuhr über ÄckerWälderHügel, der August hatte Bock auf November. Das ideale Sauwetter, um seine, um ihre Schubladen kennenzulernen. Ohne dass auch nur ein Sonnenstrahl sie verbrämt. Überall rinnen Bächlein, sucht sich das Wasser, deren Wasser, seinen Weg den Hang hinunter. Wasser ist Leben. Gut Hafnerleiten ist Leben. Ob die Sonne scheint, oder der Mond sichelt. Egal.

Ohne die Menschen dort, die Gäste, arme, reiche, alte, junge, ohne Wirt und Wirtin, deren Kinder, deren Mann- und Weibschaft, ist Hofgut Hafnerleiten tot.

Ich wäre es um ein Haar gewesen. Erste Blicke: Der Molteni in der Küche. Eine rote Berkel mit Fuß. Ein Geschenk von ihrem Mann. Anstatt Perlenkette. Nur schwierig beim Scheiden, ist ja sauschwer. Was für ein Weib! Und er? VollProfi, nicht nur am Rolls Royce der Töpfe und Pfannen. Keine Gourmetkochmütze, seine Sterne stehen nicht in roten, blauen Tellerbibeln. Sie leuchten in seinen Gästen.

Am Abend kocht er nur für die Familie, nicht für die Gäste. Erwin, Anja, Natascha und Elina Marie haben nämlich  gar keine Gäste. Denn hier sind alle eine einzige, eine einzigartige große Familie.  Ihre »Kinder« kommen, um sich kuschelwohl zu fühlen und gehen, um ein andermal wieder heim zu kommen.

Dies ist kein cleveres Marketingkonzept, es ist überhaupt kein Konzept. Ein Traum in der mediterranen Wirklichkeit des staden Rottales, seiner weichen Hügel, stolzen Kirchen und vierseitigen Höfen. Eine starke Natur, die Spektakuläres nicht braucht und auch achtzehn Löcher überleben wird. Sie hüllt kranke Seelen in ihre WiesenWäderWatte und heilt. Ganz einfach!
Dann kommt Erwin, Mann, menschgewordener Molteni, treibt die Gaumen der waidwund Glücklichen ins Nirwana. Selbst die, die gerade erst geheiratet haben. Niemand hier hat eine Chance. Es ist völlig egal, was auf den Tisch kommt, denn es ist ganz einfach, was auf den Tisch kommt. Ganz einfach!
Donnerstagabend, bei der Spaghettata und Freitagabend, beim Kulinarium, haben ihre Jünger, die nicht im Hofgut mümmeln, eine Chance, am Familientisch zu sitzen. Wenn sie rechtzeitig anrufen.
Meist Sonntags läßt sich Erwin über die Schulter kucken – mein Gott, was schreibe ich plötzlich für einen Stuß – nein er gibt PilosophieKochKurse für eine Handvoll kluger Töpfefreaks, die nicht nur mit ein paar ungewöhnlichen Rezepten heimfahren, sondern mit der glücklichen Gewissheit, dass sie wiederkommen werden …

PS: eines Tages kommen Bilder

Lebzelter in Bad Griesbach

10. August 2010

◊ viel oma und mehr als lebkuchen ◊

Irmi Ostermünchner hatte Geburtstag, als ich seit langem wieder einmal beim Lebzelter einkehrte. Ein novembrig unguter Mittag im August, der Pergolagarten, als Trumpfass der Traditionswirtschaft, hatte nasse Füße und stach nicht. Da um diese späte Mittagszeit nur die Sternderl in der Speisekarte zu haben sind, konnte weder Giggerl noch Entn ihre kulinarische Größe testen lassen. Also Härte 10!

Omas Bratensülze mit Kürbiskernöl & und Zwieberl, dazu Bratkartofferl oder Brotkorb 6,90 € musste dran glauben, da diese an sich ja liebe Spezies gerne dazu verwendet wird, dem Gast zu suggerieren, wie besonders gut dieses Schmankerl sei. Alle Omis kochen gut, will das doch sagen. Meine Erfahrung in dreißig Jahren Omiessen sieht leider enttäuschend aus. Oft hatte ich bereits nach dem ersten Bissen das Gefühl, dass die gute Oma gar keinen Gaumen mehr hat, oder sogar längst droben beim Petrus auf dem Schoß hockt.

Das Gegenteil von Oma, blutjung und blond, stellte mir die urige Köstlichkeit auf den Tisch, separat die Bratkartoffel.

Der erste Blick: Glasklares Gelee, megamageres Fleisch, zwei Eierradl und drei dünne Essiggurkenscheibchen.

Der erste Bissen: Sülze schmeckt nicht einmal sauer. So etwas langweiliges an Geschmack habe ich lange nicht mehr bekommen. Leider ist das Fleisch fast trocken, die grässlichen Essiggurkenscheiben kann ich nicht einmal essen. Keine roten Zwieberl gibt es. Einzig die hart gekochten Eierscheiben sind gut. Halt, noch etwas auch: Die so genannten Bratkartoffel, nach bayerischem Gefühl Röstkartoffel, das nahe Österreich lässt grüßen, sind entgegen ihres blassen Aussehens ausgesprochen wohlschmeckend. Ein schwacher Trost.

Ich habeauch kurz die rüstige Oma Maria gesehen, sitzt also nicht auf Wolke sieben und hat, wie schon geahnt, von Bratensülze offenschmecklich keine Ahnung mehr. Oder eine abgearbeiteten, müden Gaumen.

Also empfehle den drei Damen dieser astreinen Weiberwirtschaft einen Besuch beim Wirts Edl in Schambach, ist ja gleich um’s Eck, denn dort ist der Sülzenstand so gut, dass es eigentlich gar kein Fleisch mehr bräuchte.

Meine Nachspeise Apfelstrudel, hat mich kaum noch interessiert. Er war aber gut, doch viele seiner Brüder im Bayernland sind besser.

Der nächste Besuch wird im hübschen Gastgarten mit schattenspendender Weinlaube sein, leider für mich mit omafreien Schmankerln, gespannt bin ich …